Geschichte des channel hamburg

Der Binnenhafen in den 60er Jahren...

Der Binnenhafen in den 60er Jahren…

Der „channel hamburg“ ist nicht auf Sand gebaut, sondern auf den Fundamenten von mehr als 900 Jahren Geschichte. Dort, wo einst Bischöfe und Herzöge Hof hielten, forschen heute Wissenschaftlerinnen und Ingenieure. Die Lage am Fluss hat das Gesicht Harburgs im Laufe seiner über 800-jährigen Geschichte stark geprägt. Zunächst schützte die morastige Flussmarsch die Horeburg und die angrenzende Siedlung vor Feinden. Später ermöglichte die Nähe zum Elbstrom den Ausbau Harburgs zur Hafen- und Handelsstadt und war nicht zuletzt ein Grund für die rasche und umfassende Industrialisierung Harburgs. Diese vollzog sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem flussnah. Das ehemalige Stadtzentrum rund um Schloßinsel und Schloßstraße wurde von riesigen Industriebauten und viel befahrenen Verkehrsadern überformt. Das städtische Leben fand südlich davon auf dem Geestrücken statt und hatte kaum noch Beziehungen zum Wasser.

...und so aus ähnlicher Perspektive heute. Foto: Günter Sommerfeld

…und so aus ähnlicher Perspektive heute.
Foto: Günter Sommerfeld

Mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel, der seit den 1970er Jahren einsetzte, wurde der Harburger Binnenhafen für die traditionellen Industriezweige immer uninteressanter. Eine neue Vision musste her: Sie wurde im Rahmen der Entwicklungsplanung Harburger Binnenhafen zu Beginn der 1990er Jahre gefunden
und 1995 in einem Senatsbeschluss fixiert. Das Ziel ist es nunmehr, auf dem Gebiet des Harburger Binnenhafens ein lebendiges Viertel zu schaffen, das durch eine „Mischung neuen Typs“ geprägt ist: Arbeiten, Wohnen und Freizeit sollen hier in Zukunft eine Einheit bilden. Dabei setzen die Planer auf den besonderen Reiz des Wassers, das wieder zur prägenden Kraft für Harburg wird und in dem Begriff channel hamburg seinen sinnbildlichen Ausdruck findet. Der channel hamburg verwandelt sich mehr und mehr in ein attraktives und lebendiges Stadtquartier, in dem gearbeitet und gelebt wird.Traditionelle und neue Nutzungen, alte und moderne Architektur stehen hier nicht in Konkurrenz, sondern in einem reizvollen Kontrast zueinander.

 

Chronologie

Um 1135 Die Horeburg, die Burg im Sumpf, wird erstmals urkundlich erwähnt. Sie wird in den folgenden Jahrhunderten schwer umkämpft. Trotzdem kann sich entlang des Bohlenweges zur Burg eine kleine Siedlung entwickeln, die

1297 das Stadtrecht erhält.

1527 wird Harburg Sitz einer Nebenlinie der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Die Burg wird zum Schloss. Unter der Regentschaft von Herzog Otto I. und seinen Nachfolgern verdreifacht sich die Einwohnerzahl.

1644 Nach dem Tod des letzten Harburger Herzogs ist der Weg frei für den Umbau der Schlossbefestigung zu einer modernen Festungsanlage. Ein neues Stadtzentrum entsteht südlich der Schloßstraße am Geestrand. Bürgerstadt und Hafenbezirk beginnen getrennte Wege zu gehen.

Ab 1661 Ein Handelsvertrag festigt die Entwicklung Harburgs zur Hafenstadt. Das Transportgewerbe wird für die nächsten 200 Jahre zum wichtigsten Wirtschaftszweig Harburgs.

1845-1849 Die militärisch nicht mehr genutzte Festung mit ihren Wassergräben wird zu einer modernen Hafenanlage umgewandelt und erhält 1847 Anschluss an das Netz der „königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen“ – eine wichtige Voraussetzung für die Industrialisierung Harburgs.

Die Harburger Schloßstraße

Die Harburger Schloßstraße

1854 Harburg wird, anders als Hamburg, Mitglied des Deutschen Zollvereins und damit zu einem begehrten Standort für die Hamburger Industrie. Die in Harburg gefertigten Waren können zollfrei auf dem deutschen Markt angeboten werden. Der Bezirk rund um den Harburger Hafen wird zum blühenden Industriegebiet, welches auch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überdauert.

Ab 1970 Aufgrund der Wirtschaftskrise schließen mehr und mehr Betriebe ihre Pforten, reduzieren oder verlagern ihre Produktion. Teile des Harburger Binnenhafens veröden.

um 1970

um 1970

1978 Mit dem Einzug der neu gegründeten Technischen Universität Hamburg (TUHH) in den Binnenhafen beginnt die Wandlung vom traditionellen Industriestandort zu einem Zentrum für moderne Dienstleistungs- und Technologieunternehmen. Die Praxisorientierung der TUHH sowie eine enge Kooperation mit der Wirtschaft sorgen für neue Impulse zur Ansiedlung junger Firmen aus den Branchen IT sowie Umwelt- und Biotechnologie.

1990 Gründung des MAZ Mikroelektronik-Anwendungszentrum Hamburg in unmittelbarer Nachbarschaft der Technischen Universität. Das Unternehmen hat das Ziel, innovative Märkte im Bereich der Mikroelektronik für den Wirtschaftsraum Hamburg zu erschließen. Das MAZ gründet im Laufe der Zeit zehn Technologieunternehmen, acht davon haben bis heute ihren Sitz im channel.

1992 Die Immobilienentwicklung im channel beginnt mit der Konversion der ehemaligen Unilever-Seifenfabrik am Schellerdamm und der Eröffnung des Edelrestaurants Marinas. Investor für diese Maßnahmen sowie einen Großteil der Projekte in den Folgejahren ist das Hamburger Bauunternehmen HC HAGEMANN GmbH & Co. KG.

1994  Das MAZ bekommt ein neues Gebäude in der Harburger Schloßstraße. Die zeitgemäße Architektur setzt neue Maßstäbe im channel harburg und fügt sich unkonventionell in die vorhandene Baustruktur ein.

1995  Der ehemalige Palmspeicher wird zu einem Bürogebäude mit Restaurant und Veranstaltungsflächen im Erdgeschoss umgebaut.

1998  Mit dem Gebäude channel 1 für die aus dem MAZ ausgegründete Firma bbcom wird der zweite Neubau im channel harburg erstellt und vom Architekten- und Ingenieurverein Hamburg zum Bauwerk des Jahres gewählt.

2000 Der Verein channel harburg e.V. wird als Interessenvertretung ansässiger Firmen ins Leben gerufen. Zielsetzung ist, unter der Dachmarke die verschiedenen Aktivitäten im Gebiet des Harburger Binnenhafens zu  bündeln. Prioritäten: Standortmarketing, Aufbau von Netzwerken und Ansiedlung neuer Unternehmen. Das ehemalige Gelände der damaligen Bahntochter Deutsche Bahn Immobilien (DBImm) mit den dazugehörigen Güterhallen wird fortan unter dem Namen „Hafen Campus“ geführt.

2002 Der Channel Tower, mit einer Höhe von 75 Metern das neue Wahrzeichen für den channel harburg und das höchste Gebäude südlich der Elbe, wird eingeweiht und von den ersten Mietern bezogen.

2003 Tutech Innovation GmbH siedelt sich im Verbund mit der Hamburg Innovation GmbH im channel harburg an. Die Firma Dephin Umwelttechnik erwirbt 2 100 m² Fläche auf dem Hafen Campus-Gelände. Der channel harburg e.V. firmiert in channel hamburg e.V. um und wird zur neuen Dachmarke. Damit wird betont, dass der channel zu Hamburg gehört und mit dem Norden zusammenwächst. Bureau Veritas bezieht als Hauptmieter den neuen Kaispeicher. Auch hier wurde ein für die Geschichte des Hafens prägnantes Speichergebäude erhalten und für neue Zwecke umgewandelt. Die Bauarbeiten am 14-stöckigen Silo werden fertiggestellt. Die Hamburger Aurelius Immobilien AG war für den Umbau des Gewerbeobjektes im Harburger Binnenhafen verantwortlich. 2006 wurde es im Rahmen der Architektur-Biennale in Venedig als eine gelungene Umsetzung moderner Architektur ausgezeichnet.

2005 siedeln sich AIRBUS Deutschland und zahlreiche Zulieferer des Flugzeugbaus im Hamburger Binnenhafen an.

2006 Der Harburger Binnenhafen wird Teil des städtebaulichen Projekts „Internationale Bauausstellung Hamburg 2013“ und soll in den nächsten Jahren vom „Sprung über die Elbe“ profitieren. Von einem Tornado-Unglück überschattet, werden in der Blohmstraße drei weitere channel-Riegel von HC HAGEMANN für Airbus-Zulieferer errichtet.

2007 Die IVG Immobilien AG erwirbt einen Großteil der HC HAGEMANN-Immobilien. Die Harburger Parkhausgesellschaft (HPG) kauft 3 250 m² für die Errichtung einer neuen Quartiersgarage. Diese wird nach Zeitplan fertiggestellt und nimmt im April 2009 den Betrieb auf.

2008 Eine weitere Konversion im Harburger Binnenhafen gelingt der Aurelius Immobilien AG mit der Fertigstellung des Fleethauses im denkmalgeschützten Getreidespeicher am Schellerdamm. Auf einer Bruttogeschossfläche von 5 573 m² haben Büroflächen, eine Kindertagesstätte, Gastronomie und 284 Pkw Platz. Das Fleethaus wird mit dem zweiten Platz des Architekturpreises 2008 „Zukunft im Bestand“ ausgezeichnet.2009 Mit dem „S18“ schließt die Aurelius Immobilien AG die Baulücke zwischen dem Silo und den Gebäuden channel 5-7 am Schellerdamm. Das neu errichtete Bürohaus bietet insgesamt 2 000 m² auf sechs Etagen. Durch die aufwendige Restaurierung zweier Unternehmer-Villen aus dem 19. Jahrhundert erwacht die Blohmstraße zu neuem Leben: Mit ThyssenKrupp Industrieservice GmbH in der Villa Lengemann und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Villa Lammerich finden die beiden Schmuckstücke renommierte Mieter. Die HC HAGEMANN construction group lässt die ehemalige Schmirgelfabrik in neuem Glanz erstrahlen und bezieht dort eine moderne Firmenzentrale auf 7 000 m².

2010 Die Harburger Schlossinsel wird aus dem Hafengebiet entlassen. Der Startschuss für das Projekt „Wohnen am Wasser“ fällt. Bis 2012 sollen insgesamt 160 moderne Wohnungen auf der Schlossinsel direkt am Wasser entstehen. Die Lorenz Gruppe plant für die Provinzial Rheinland ein zukunftsorientiertes Wohnprojekt. Mit einer Auftaktveranstaltung startet im Juni die Vermarktung des ehemaligen Güterbahnhofs unter dem neuen Namen „Harburger Brücken – Ein Areal, das verbindet“.

2011 Der Anbau des Kaispeichers mit 4 700 m² wird fertiggestellt: Mietersind die Haspa, Rechtsanwälte Schlarmann von Geyso und das Backhaus Wedemann. Direkt gegenüber bietet das Kontorhaus Hafenblick neue Räumlichkeiten für das Bauunternehmen Zechbau, die Wirtschaftsprüfer Dierkes & Partner, die Süderelbe AG sowie die Schanzenbäckerei.

2013 Im Zuge der IBA 2013 wird das „Quartier am Park“ auf der Harburger Schlossinsel fertiggestellt. Das Quartier besteht aus den Gebäuden „Inselleben“ und „Boathouse“, die zusammen 9 000 m² Wohnfläche bilden. Außerdem wird die „Gesundheitsinsel“ der Lorenz Gruppe am Veritaskai fertig. Dort haben das Strahlentherapiezentrum und die ElbLOGE neben weiteren Büromietern ihren Sitz.

2014 Im April wird das B&B Hotel Hamburg-Harburg an der Theodor-York-Straße eröffnet. Auch das IBA-Projekt „Wohnen am Hafencampus“ mit 63 Eigentumswohnungen ist nun bezugsfertig.

2015 Der „goldfisch im channel“ ist fertig. Das von der HC Hagemann construction group erbaute Bürogebäude sticht besonders durch seine einzigartige Gold-Optik hervor und bietet 2 700 m² Bürofläche. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat auch dort passende Räumlichkeiten gefunden. Insbesondere jungen Menschen bietet das IBAProjekt „Studentisches Wohnen am Schellerdamm“ ab September auf insgesamt 1 060 m² attraktive neue Wohnmöglichkeiten. Das Unternehmen Becker Marine Systems bezieht seine 7 000 m² große neue  Unternehmenszentrale. Kulturelle Vielfalt bietet als Konzert- und Veranstaltungssaal der 1827 erbaute und komplett renovierte Speicher am Kaufhauskanal von Rolf Lengemann.

2016 Das Unternehmen Behrendt Wohnungsbau stellt die ersten drei Wohnhäuser des Projekts „Maritimes Wohnen am Kaufhauskanal“ mit insgesamt 18 452 m² Wohnfläche fertig. Die Umsetzung des zweiten Bauabschnitts mit weiteren drei Häusern ist für 2017 geplant. Ebenfalls bezugsfertig sind die „PHOENIX HOMES“ von REVITALIS mit 11 000 m² Wohnfläche und das Projekt „Sahle Wohnen am Schellerdamm“ mit der geförderten Seniorenwohnanlage auf einem 5 739 m² großen Grundstück. Nach längerer Bauzeit verschwindet auch bei der „Schlossinsel Marina“ im August das letzte Gerüst. Außerdem startet der Bau vom „Brückenquartier“ der Lorenz Gruppe, das weitere 5 000 m² Wohnfläche und 10 200 m² Gewerbefläche bieten wird. Das Quartier soll 2018 bezugsfertig sein. Das Gebäude der Tutech Innovation GmbH wird für ein Gründerzentrum umgebaut und TUTECH zieht in den „goldfisch“. Harburg feiert die Eröffnung der bislang einzigen Drehbrücke Hamburgs, die den Kanalplatz mit der Schlossinsel verbindet.

2017 Der Bau des Hotel am Veritaskai soll in diesem Jahr beginnen und 2019 fertiggestellt werden. Das Bauunternehmen HC HAGEMANN startet mit dem ersten Bauabschnitt des „Hamburg Innovation Port“ im westlichen Teil des Harburger Binnenhafens. Bis zu 70 000 m² Bruttogeschossfläche werden dem Technologie- und Innovationsstandort Platz für Büros, Labore und Kommunikationsflächen bieten. Das ehemalige TUTECH-Gebäude wird zum Innovations Campus Green Technologies (ICGT) und beherbergt das Startup Dock. Im Mai eröffnet Werner Pfeifer seine umgebaute alte Fischhalle am Lotsekanal als Kulturzentrum mit Bistro-Café.

 

channel hamburg e.V. Harburger Schloßstraße 6-12, 21079 Hamburg
Tel. 040-766296120, E-Mail: info@channel-hamburg.de
www.channel-hamburg.de
In Zusammenarbeit mit dem Helms-Museum.
Chronologie Binnenhafen Harburg