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Standort mit Lebensqualität

von Klaus Göppert, Redakteur der Immobilien Zeitung, exklusiv über den channel hamburg: „Die kleine HafenCity“. Einer von uns Journalisten hat diesen Begriff geprägt – und wir alle nutzen ihn. Dabei haben wir, vom Tagesgeschäft und von der Suche nach eingängigen Schlagworten gedrängt, nicht einmal bemerkt, dass die HafenCity und ihre kleine Schwester channel hamburg völlig unterschiedlich sind. Sie haben nicht mehr gemeinsam, als dass sie alte Hafenbrachen zu neuem Leben erwecken.
channelnacht

Die HafenCity, dahinter stehen Masterpläne, über die berufene Stadtplaner lange nachgedacht haben, dazu gehören Gestaltungswettbewerbe mit der Prominenz von nah und fern. Wissenschaftliche Institute begleiten das Projekt. Architekten aus aller Welt reisen an und diskutieren auf gelehrigen Foren.

Nichts von diesem Rummel gibt es im channel hamburg. Keinen Masterplan, keine Archi-tektenwettbewerbe, kein Diskussionsforum. Anders als in der schnieken HafenCity türmt sich noch immer Schrott an den Kaimauern auf, rattern schwere LKW zu den Betriebshöfen der Bauunternehmen. Schiffe liegen an den Kaimauern. Auf einer Werft wird noch gehämmert und geschweißt, auf anderen finden Yachten ein Winterlager.

In manchen Ecken träumen Segler vom Aufbruch in die weite Welt.

Wie nach einem verheerenden Waldbrand – am Harburger Binnenhafen war es der Strukturwandel der 70er Jahre mit vergleichbaren Folgen – sprießt aus dem Aschenboden neues Grün. In einer ehemaligen Margarinefabrik und einer stillgelegten Seifensiederei, einst Blüten des Quartiers, wurden die Grundsteine für das neue Harburg gelegt: In dem weißen Thörl-Haus wurde die Technische Universität Hamburg-Harburg gegründet, mit der Konversion des Unilever-Gebäudes am Westlichen Bahnhofskanal begann die Immobilienentwicklung.

Während in der großen HafenCity Politiker und Städteplaner die Entwicklung vorantreiben, ist im channel ein Unternehmer der Motor der Entwicklung: Arne Weber. Man muss wohl seine Wurzeln auf der sturmumtosten Nordseeinsel Helgoland haben, um sein Temperament zu besitzen. Risikofreudigkeit paart sich bei ihm mit nicht enden wollendem Ideenreichtum, Arbeitswut mit Lebenslust, Durchsetzungsfähigkeit mit Liebenswürdigkeit. Stillstand ist nicht seine Sache.

Webers Lebenslust hat auch die Entwicklung des channel geprägt. Er baut nicht nur Büros wie andere Investoren. Wenige Monate nach dem Einzug der ersten Mieter eröffnet er ein Spitzenrestaurant, das für viele Hamburger Gourmets ein erster Anlass ist, Harburg auf dem Stadtplan zu suchen. So ging und geht es weiter.

Der channel ist gewachsen wie eine historische Stadt. Nicht ein Masterplan gab die Entwicklung vor. Wenn Bedarf war, wurde gebaut.

In Krisenzeiten mussten neue Lösungen her. Und danach ging es weiter. Inzwischen ist es nicht mehr allein Weber, der den channel hamburg vorantreibt. Sein Optimismus hat angesteckt, andere Investoren angelockt. Ihnen gemeinsam ist: Für sie sind die Projekte im channel nicht nur Immobilien, die sich rechnen müssen. Sie betrachten sich wie Arne Weber als  Entwickler eines Standorts mit Lebensqualität.

Schon heute, obwohl noch immer der Bereich Wohnen fehlt, ist der channel eine lebendige Stadt mit tollen Restaurants, After-Work-Party, Beach Club, Veranstaltungen vom lockeren Sommerfest bis hin zum Knieper-Essen in Smoking und langem Abend-kleid. Davon kann die große Schwester jenseits der Elbe nur träumen.        

Der channel ist ein Beispiel dafür, dass lebendige Städte nicht am Reißbrett entstehen. Städte sind keine synthetischen Produkte. Einst waren es Fürsten und Kaufleute, die Potenziale erkannten, Siedlungen gegründet und zu Städten entwickelt haben. Arne Weber hat diese Tradition fortgeführt. Er – und mit ihm die Menschen, die er für seine Idee begeistern konnte – schaffen im channel ein Quartier, das sich vor der großen Schwester nicht verstecken muss. Im Gegenteil. Im channel gilt das Motto: „Lebst du schon oder planst du noch?“.

Klaus Göppert
Klaus Göppert